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Stadtgeschichte

Jahr Ereignis
Die erste Erwähnung von Lindenberg findet sich in einer Urkunde des Klosters St. Gallen über eine Schenkung von Grundstücken. Patacho und Sigibert, zwei bedeutende Adelige, schenkten dem Kloster Güter in "Lintiberc". Die alemannische Erstbesiedlung erfolgte vermutlich erst wenige Jahrhunderte vorher vom Bodenseegebiet aus. "Berg" könnte bedeuten, dass in Lindenberg zunächst eine Sommerweide (Alpe) war. Lehnsherr der Lindenberger Gegend ist im Mittelalter hauptsächlich das Kloster St. Gallen, vertreten durch den örtlichen Dienstadel des Klosters. Dieser Adel wird mit der Zeit weitgehend selbständig, mit dem Ergebnis, dass mit den Jahren für das Dorf Lindenberg die Herren von Weiler mit dem Sitz auf der Burg Altenburg zur wichtigsten Obrigkeit werden.
1257 Die Existenz der Pfarrei Lindenberg wird in einem Steuerregister der Diözese Konstanz erwähnt. Lindenberg gehört zum Dekanat Ebratshofen des Bistums Konstanz. Der Pfarrer von Maria Thann ist gleichzeitig Pfarrer von Lindenberg, d.h. er erhält die Erträge beider Pfarreien. Die Pfarrei Lindenberg versorgt ein dort wohnender Pleban („Leutpriester“), den der Pfarrer von Maria Thann bezahlt. Seine Bezahlung beträgt etwa die Hälfte der Einnahmen der Pfarrei. Dem Dekanat Ebratshofen (benannt nach der Pfarrei des Dekans) gehören etwa 60 Pfarreien an, deren Gebiet oft größer ist als heute.
1338 Das ganze Dorf Lindenberg mit 36 Häusern gelangt in den Besitz der Ritter Konrad und Friedrich von Goßholz. Der Kauf schloss ein: Vogtei, Widdum, Zinsen, Steuern, Ehehaften und Güter.
1340 Erste Erwähnung einer Pfarrkirche in Lindenberg. Da die Kirche den heiligen Aposteln Petrus und Paulus geweiht ist, darf man annehmen, dass es sich um die heutige Aureliuskirche handelt. „Aureliuskirche“ ist ein erst seit 1914 gebräuchlicher Unterscheidungsname. In Wirklichkeit sind bis heute die Kirchenpatrone dieser ehemaligen Pfarrkirche, wie die der 1914 eingeweihten Stadtpfarrkirche, nach wie vor die Heiligen Peter und Paul. Der untere Teil des Turms der Aureliuskirche stammt noch aus dem Mittelalter.

Die Pfarrei Lindenberg gehört zum Dekanat Stiefenhofen. Das große Dekanat Ebratshofen wird geteilt. Der Name des Dekanats richtete sich damals nach der Pfarrei des Dekans. Sobald der Pfarrer einer anderen Pfarrei Dekan wurde, wechselte der Name des Dekanats.
1425 Die Patronatsrechte an der Kirche in Lindenberg werden vom Spital Lindau erworben. Verkäufer sind die Herren von Goßholz, Frick und Jakob. Danach verlassen sie das Allgäu. Die Oberlehenshoheit hatte Caspar von Klingenberg aus einer St. Gallischen Ministerialenfamilie, deren Stammsitz im Kanton Thurgau war.
1523 Das Haus Habsburg (Erzherzog Ferdinand) erwirbt von Graf Hugo XII. des Hauses Montfort dessen Rechte in Lindenberg. Damit kommen die Habsburger u.a. in den Besitz der hohen Gerichtsbarkeit der Herrschaften Altenburg und Kellhöfe. Außerdem kaufen sie die Herrschaft Simmerberg. Der 1970 eingemeindete Ortsteil Ratzenberg gehörte zu dieser Herrschaft. Dadurch erwerben die Habsburger Grundrechte und die Niedrige Gerichtsbarkeit in diesem Teil des heutigen Gemeindebereichs von Lindenberg.
1556 Unter Äbtissin Katharina von Bodman, erhält das Hochfürstliche Damenstift zu Lindau die Patronatsrechte an der Lindenberger Pfarrkirche. Im Austausch verzichtet das Stift zugunsten der protestantisch gewordenen Stadt Lindau auf die Patronatsrechte an der St. Stephanskirche zu Lindau.
1570 Der Tiroler Landesfürst Erzherzog Ferdinand kauft von den beiden Erbtöchtern der letzten Herren von Altenburg alle mit deren Herrschaft Altenburg verbundenen Rechte ab. Er wird dadurch im Dorf Lindenberg Grundherr von 19 Höfen, sowie von vier Gütern, die nicht näher beschrieben sind. In Ried sind es 8 Höfe. Zur Herrschaft Altenburg gehörte auch ein Geldzins aus der Ellgassermühle.
1571 Erzherzog Ferdinand erwirbt auch die Kellhöfe Weiler und Scheidegg. Zu den Kellhöfen gehören Rechte in Kellershub, Weihers, Manzen, Goßholz, Nadenberg, Ellgassen und die Hälfte von Haus. Die Habsburger kommen im Gebiet der heutigen Gemeinde Lindenberg in den Besitz der Niederen Gerichtsbarkeit. Auch werden sie zu den wichtigsten Grundherren. Das Dorf Lindenberg sowie Ried kommen zum Gericht Altenburg, die anderen Filialorte zum Gericht Kellhöfe. Die Habsburger gewähren einen für die damaligen Verhältnisse hohen Grad an örtlicher Selbstverwaltung. Die Habsburger Herrschaften waren damals dreigeteilt. Erzherzog Ferdinand herrschte im westlichen Teil. Er residierte in Innsbruck.
1600 Um diese Zeit werden in Lindenberg bereits Strohhüte für den eigenen Gebrauch hergestellt.
1604 In der Pfarrei Lindenberg, d.h. einschließlich der heutigen Filialorte stehen 162 Häuser mit etwa 800 Einwohnern.

Lindenberg wird vorarlbergisch. Die beiden für Lindenberg zuständigen Gerichte Altenburg und Kellhöfe werden in die Vorarlbergischen Stände aufgenommen. Die Vertreter der beiden Gerichte haben fortan Sitz und Stimme im Vorarlberger Landtag und damit ein gleichberechtigtes Mitspracherecht in Angelegenheiten, an denen die Stände eine Zuständigkeit haben.
1617 Erstmals werden die Lindenberger Pferdehändler Jakob Bildstein, Jakob Mauch und Magnus Stiefenhofer urkundlich erwähnt. Sie verkaufen 13 Pferde nach Mailand. Nach der Überlieferung haben Lindenberger Pferdehändler Kenntnisse des Strohflechtens und Hutnähens von Italien mit in die Heimat gebracht.

Der Pferdehandel entwickelte sich zu einem wichtigen Zuerwerb für Lindenberger Gastwirt- und/oder Bauernfamilien. Je nach der Marktlage werden beachtliche Gewinne erzielt. Auch die Koppelknechte, die ebenfalls meistens aus Lindenberg kommen, verdienen gut. Die Pferde werden normalerweise in Norddeutschland gekauft, über Lindenberg und den Splügen- oder St. Gotthardpass getrieben und dann in Italien verkauft.
Dreißigjähriger Krieg, dreimal fallen die Schweden ein, sie plündern und brandstiften. Nur 5 Häuser sollen stehen geblieben sein. Es wird angenommen, dass etwa die Hälfte der Einwohner durch Krieg, Hunger und Pest ums Leben kamen.
1656 Lindenberger Strohhüte werden im Hausierhandel und auf Märkten vertrieben.
1665 Die Innsbrucker Linie der Habsburger, der Vorarlberg bisher unterstand, stirbt aus. Kaiser Leopold I beerbt sie. Damit werden alle Habsburger Lande und Rechte wieder unter einem Herrscher vereinigt.
1740 Das Dorf Lindenberg hat wieder 500 Einwohner.
1748 Aufhebung der Leibeigenschaft in den österreichischen Erblanden, somit auch im Gericht Altenburg. Es gab verschiedene Abstufungen der Leibeigenschaft. Die in Lindenberg geltende war eine der mildesten Formen. Sie war eine Art Erbschaftsteuer, die grundsätzlich an die Person gebunden war. Man blieb ihr unterworfen, auch wenn man wegzog. Für die Aufhebung der Leibeigenschaft verpflichteten sich die Bewohner der Gerichte Altenburg und Kellhöfe zu einer jährlichen Reichnis (Zahlung) von 200 Gulden.
1755 Drei Teilhaber gründen die Lindenberger "Hut-Compagnie" Lorenz Miller. In Lindenberg wurden schon lange vorher Hüte in Heimarbeit hergestellt. Das Unternehmen kauft geflochtene Strohbänder auf und lässt daraus - wiederum in Heimarbeit - Hüte nähen. Die Compagnie übernimmt dann die Vermarktung durch Hausieren und Beschickung auswärtiger Märkte.
1771 Die zersplitterten Felder der verschiedenen Besitzer werden zusammengefasst. Von den 58 Bauernhäusern des Dorfes Lindenberg werden nicht weniger als 34 "vereinödet". Sie werden abgebrochen und inmitten der neu zugeteilten Felder wieder aufgebaut. Durch die nunmehr über die ganze Talmulde verteilten Einzelhöfe wird Lindenberg zur Streusiedlung. Auch die Filialorte wie Goßholz, Manzen etc. werden in diesen Jahren "vereinödet".
1780 Um 1780 eröffnete der Goßholzer "Handelsmann" Franz Xaver Stadler das erste Allgäuer Käsegroßhandelsunternehmen. Er betrieb den Handel von Ulm aus. Sein Teilhaber und Schwager Anton Rädler besorgte von Goßholz aus den Einkauf, wohl hauptsächlich auf den Oberstaufener Alpen. Obwohl die örtliche Käseproduktion in Lindenberg wegen der begrenzten Flächen nie eine große Bedeutung erlangen konnte, entstanden im Ort im 19. und 20. Jahrhundert doch mehrere bedeutende Unternehmen des Käsegroßhandels und der Käseproduktion.
Das Dorf Lindenberg erhält die Marktrechte. Drei Viehmärkte im Jahr können abgehalten werden. Die Bevölkerung der Pfarrgemeinde Lindenberg, welche auch die Filialorte einschließt, erreicht 1000 Einwohner, eine Verdoppelung seit 1740. Möglich gemacht wurde das durch bessere Erträge der Landwirtschaft und durch die guten Verdienste aus Pferdehandel und Hutproduktion.
1785 Kaiser Joseph II möchte den Kirchgängern zu lange Wege ersparen. Haus kommt zu Scheidegg und Geigersthal zu Heimenkirch. Lindenberg erhält Ried und Kellershub. Die heutigen Lindenberger Grenzen entsprechen den damals festgelegten. Einzige Ausnahme ist Ratzenberg, das 1970 von Opfenbach nach Lindenberg kam.
1797 Lindenberg wird von einer Pockenepidemie heimgesucht. Zwischen dem 13. März und dem 18. Juli erlagen 27 Kinder dieser Krankheit. Das war in etwa ein Einschulungsjahrgang. Die Kinder erreichten ein Alter zwischen 1/2 Jahr und 10 Jahren.
1805 Im Preßburger Frieden vom 26. Dezember 1805 werden Tirol und Vorarlberg (und damit Lindenberg) Bayern zugeteilt. Die eigentliche Übergabe der Macht an Bayern ist am 13. März 1806 in Bregenz.

Der bayerische König wird neuer Patronatsherr der Pfarrei Lindenberg, als Rechtsnachfolger des früheren hochfürstlichen Damenstifts Lindau. Folglich bedurfte die Ernennung aller Lindenberger Pfarrer im 19. Jahrhundert einer Vorlage beim bayerischen König.
1808 Die heutige Gemeinde Lindenberg entsteht. Franz Josef König, Kreuzwirt, wird zum Ortsvorsteher der neu gebildeten Gemeinde Lindenberg ernannt. Er war bisher Ortsvorsteher des Marktes Lindenberg. Jetzt wird die politische Gemeinde Lindenberg um die acht weiteren Orte der Pfarrgemeinde, wie Goßholz, Manzen usw., erweitert. Die Pfarrei und die politische Gemeinde Lindenberg haben jetzt gleiche Grenzen.
1809 Die wehrfähigen Lindenberger nehmen geschlossen am Aufstand der Vorarlberger gegen Bayern teil. Die Vorarlberger Milizeinheiten leben noch einmal auf. Der Aufstand wird durch württembergische und französische Truppen niedergeschlagen. Ein Lindenberger, Franz Josef Milz, fällt am 15.07.1809 bei Eglofs auf Seiten der aufständischen Vorarlberger.
1814 Lindenberg wird von Vorarlberg getrennt. Im Friedensvertrag von Paris kommt Vorarlberg nach Österreich zurück, mit Ausnahme des Landgerichts Weiler, zu dem Lindenberg gehört. Hinter Scheidegg entsteht die neue Grenze zwischen Bayern und Österreich.
1815 Gründung der Wagner'schen Hut-Compagnie. Die Angehörigen von über 300 Familien sind in Heimarbeit mit der Herstellung von Strohhüten beschäftigt. Die Jahresproduktion beträgt etwa 56.000 Stück.
Beginn der Anfertigung der so genannten Binsen - oder gebundenen Hüte. Sie werden bis nach Nordamerika verkauft. 1820 - 1914 Gründung zahlreicher Hutfirmen.
1836 König Ludwig I. verleiht durch sein Signat Lindenberg ein Gemeindewappen. Es hat bereits annähernd die heutige Form. Es zeigt eine doppeltürmige Kirche auf einem Berg, flankiert von zwei Lindenbäumen. Die Kirchtürme sind allerdings Spitztürme. Die Gemeinde hatte 1835 zwei Entwürfe eingereicht. Auf dem anderen war ein Florentinerhut. Da Hüte der Mode unterliegen, wurde dem Entwurf mit der Kirche der Vorzug gegeben.
1843 Niedergang der Strohhutproduktion und des Strohhuthandels. Die Lindenberger Frauen wenden sich verstärkt dem Strohflechten zu. Der Geflechthandel floriert. Mit der Herstellung von Strohschnüren, genannt Drohdel, auf selbst gebastelten Drohdelstühlen verdienen die Lindenberger einige Jahre gutes Geld. Ein oder mehrere solcher Geräte stehen damals in fast jeder Lindenberger Wohnstube.
1849 Das Allgäu wird von Truppen aus den bayerischen Kerngebieten besetzt. In Lindenberg werden zwei Escadronen der Dillinger Chevauleger einquartiert. Mit dem Einmarsch sollte verhindert werden, dass aus den Unruhen, die sich nach der Ablehnung der neuen Reichsverfassung im Allgäu breit machten, Aufstände entstehen.
1853 Die Eisenbahn rückt 6 km an Lindenberg heran. Das Teilstück Lindau-Oberstaufen der Eisenbahnstrecke Augsburg-Lindau wird dem Bahnverkehr übergeben. Damit sind es von Lindenberg bis zum Bahnhof Röthenbach-Oberhäuser nur noch 6 km. Die verkehrsgeographische Lage Lindenbergs verbessert sich dadurch deutlich. Der Versand der Lindenberger Strohhüte wird erleichtert. München ist nunmehr über Augsburg mit dem Zug erreichbar. Der Weg zwischen dem Bahnhof Röthenbach und Lindenberg war bis 1881 allerdings in einem schlechten Zustand.
1868 Der letzte Pferdetransport auf der Landstraße über Lindenberg nach Norditalien findet statt. Fortan werden alle Pferde mit der Eisenbahn transportiert. Lindenberg liegt damit außerhalb der Handelswege. Durch den Pferdehandel hatten viele Lindenberger als Kaufleute oder Koppelknechte Gelegenheit, aus dem Dorf herauszukommen und gutes Geld zu verdienen.
1874 Errichtung einer Telegraphenstation in Lindenberg.

Fabrikant Aurel Huber geht erstmals mit Mustern auf die Reise zu Grossisten in München, Ulm und Straßburg. Beginn der Hutfabrikation auf Bestellung.
1877 Einzug in das neue Schulgebäude. Es handelt sich um das Hauptgebäude der heutigen Antonio-Huber-Schule. Die Gemeinde bedankte sich bei Pfarrer Schmid für die großzügige Überlassung des Baugrundes. Lindenberg hatte damals 215 Schüler bei 1600 Einwohnern.
Großartige Entwicklung der Lindenberger Strohhutindustrie. Schutzzoll für den deutschen Hut.
1881 Lindenberg erhält eine bessere Strassenverbindung zum Bahnhof Röthenbach. Der Ausbau der mit der Zeit völlig unzureichenden Straße Riedhirsch-Lindenberg-Scheidegg kam zum Abschluss. Bürgermeister Keller erreichte zwar schon 1875 eine Hochstufung vom Gemeindeverbindungsweg (Vicinalstrasse) zur Distriktsstrasse. Die Verhandlungen über den Trassenverlauf und die Finanzierung verzögerten jedoch den Bau.

In Lindenberg lässt sich zum ersten Mal ein Arzt nieder.
1884 Dr. Otto Christ wird der zweite Arzt in Lindenberg. Er erhält von der Gemeinde 700 Mark sog. Wartegeld im Jahr und ab 1887 aus der Gemeindekrankenkasse weitere 250 Mark.
1885 In Lindenberg sind in diesem Jahr 23 Strohhutfabriken und 13 Strohhuthändler tätig.
1886 Erste Apotheke in Lindenberg. Max Hummel, Apotheker in Weiler, errichtet in Lindenberg eine Filialapotheke. Sie befindet sich in der Hauptstrasse 69. Nach 20 Jahre Bemühungen der Lindenberger Gemeindeverwaltung bei der Regierung in Augsburg erteilte diese endlich die notwendige Konzession.
Die Hutfabrik Ottmar Reich baut eine eigene Färberei und Bleicherei. In Lindenberg und Umgebung gibt es über 34 Strohhuthersteller.
Die Elektrizität hält Einzug in Lindenberg. Im Lindenberger Tagblatt wird die Bevölkerung eingeladen, am Abend dieses Sonntags die elektrische Beleuchtung anzusehen, die Lorenz Rädler in seinem Geschäft, der Firma Alois Rädler, eingerichtet hat. "Herr Rädler wird sie heute Abend in Funktion setzen." Das geschieht, "im Interesse derjenigen welche diese so seltsame Beleuchtung noch nicht in Augenschein genommen haben". Elektopionier Lorenz Rädler war Käsegroßhändler und Textilfabrikant.

Erste elektrische Straßenbeleuchtung in Lindenberg. Lindenberg ist damit zusammen mit Scheidegg der erste Ort im Westallgäu mit einer solchen neuen Straßenbeleuchtung. Das gab es damals selbst in München nur in zwei Straßen (Schützen- und Bayerstraße am Bahnhof). In Lindenberg gab es seit 1874 eine Straßenbeleuchtung durch Petroleumlampen.
1900 Im Westallgäu, vor allem in Lindenberg, werden im Jahresdurchschnitt rund 4 Millionen Strohhüte erzeugt. Der Herstellung dienen ca. 34 Pressen und 1500 Nähmaschinen. 280 Werkstattarbeiter, 2800 Heimarbeiter und Heimarbeiterinnen arbeiten für die Strohhutherstellung.
Am 1. Oktober wird die Eisenbahnstrecke Röthenbach - Lindenberg - Scheidegg eröffnet. Das "Bähnle" bringt eine große Erleichterung bei der Beförderung des zwar leichten aber sperrigen Frachtgutes.

Eröffnung eines Zollamtes in Lindenberg wegen des zunehmenden Auslandhandels. Import ausländischer Geflechte aus China, Japan, Süd- und Mittelamerika, Madagaskar, Java und Philippinen.
1903 Die gemeindliche Wasserversorgungsanlage geht ihrer Vollendung entgegen. Die Rohrleitung vom Quellgebiet Gaisgau bis zum Wasserreservoir ist vollendet. Alle Hausanschlüsse sind fertig gestellt.
1905 Der Bau des Rathauses wird durch einen Beschluss der Gemeindeversammlung endgültig beschlossen. Bürgermeister Fehr war es gelungen, für die Errichtung eines großen, repräsentativen Baues die notwendige 2/3 Mehrheit zu erlangen. Um die besondere Größe zu rechtfertigen, wird der Bevölkerung das geplante Rathaus als ein wahres Multifunktionsgebäude dargestellt. Untergebracht werden sollten neben der Gemeindeverwaltung ein Platz für die Feuerwehrgeräte, ein Arrestlokal, eine Freibank, ein Abstellraum für den Leichenwagen sowie Wohnungen für Lehrer und Bedienstete der Gemeinde.
1907 In Lindenberg werden zum ersten Mal Vorschriften zum Verkehr mit Kraftfahrzeugen erlassen: Die Fahrgeschwindigkeit in der Ortschaft Lindenberg darf 15 Stundenkilometer nicht überschreiten. Auf den Gemeindeverbindungswegen nach Ried, Ratzenberg und Kellershub-Manzen-Weihers ist das Fahren verboten mit Ausnahme "der Ärzte in Ausübung ihres Berufes" sowie der Anlieger "bei der Zu- und Abfahrt". Übertretungen werden mit einer Geldstrafe bis zu 60 Mark oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.
1908 Lindenberg wird Marktgemeinde mit städtischer Verfassung.
1911 Auf dem Nadenberg wird der Aussichtsturm errichtet. Er ist ein Geschenk des Kommerzienrates Aurel Reich (Mitinhaber der Hutfabrik). Von dem Turm hat man den so genannten "Siebenländerblick" (Österreich, Schweiz, Liechtenstein, Bayern, Württemberg, Baden, Preußen=Exklave Achberg). Der Turm wurde ursprünglich "Fürbergwarte" benannt. Fürberg war der alte Name des Pfänders.
1913 Über 5 Millionen Herrenstrohhüte werden hergestellt im Wert von 8 Millionen Mark. Dazu kommen 2 Millionen Hüte in den Fabriken der Nachbarorte. In Lindenberg bestanden damals einschließlich der Heimarbeiter rund 3000 Arbeitsplätze.
Am 14. Mai wird die Stadtpfarrkirche eingeweiht. Lindenberg erhält seinen baulichen Mittelpunkt.

Am 11. August wird Lindenberg zur Stadt erhoben.

Am 1. August war der Krieg ausgebrochen. Im 1. Weltkrieg sind 172 Lindenberger gefallen.
1920 Im Schulwesen legt Lindenberg in dieser Zeit den Grundstein zur späteren Schulstadt: Dank der Weitsicht von Bürgermeister Hans Alois Schmitt beschließt man die Errichtung einer Realschule, die auch einem dringenden Bedürfnis der Nachbargemeinden abhilft. Die neue Schule, die auch Mädchen zugängig ist, wird im Dachgeschoß des Schulhauses untergebracht. Ein Ausbau auf 6 Klassen ist geplant, zunächst nehmen im Schuljahr 1920/21 die ersten drei Klassen den Unterricht auf.
1921 Eine Stadtbibliothek wird im Erdgeschoß des Schulgebäudes eröffnet.
1925 Das seit 1924 errichtete Schmelzkäsewerk an der Hauptstraße nimmt die Produktion voll auf ("Kohlerwerke", seit 1934 dann "Kraft-Käse-Werke", seit 1984 "Bayernland").
1926 Der Herrenstrohhut kommt seit 1924 immer stärker aus der Mode. Im September 1926 sind 253 Lindenberger arbeitslos. Mehrere bedeutende Hutfabriken müssen aufgeben.
Mit der Fertigung von Damenfilzhüten wird die Krise in der Hutherstellung gemeistert. Die hauptsächlich von Paris diktierte Mode verlangt immer größere Flexibilität in der Fertigung von Stroh- und Filzhüten.
1930 Durch Ministerialentschließung des Bayerischen Innenministeriums werden Form und Farben des bis heute geltenden Stadtwappens festgelegt und genehmigt. Das von Prof. Julius Exter entworfene und seit ca. 1920 verwendete Wappen, in dem die bisherigen beiden Spitztürme durch die Turmform der neuen Stadtpfarrkirche ersetzt wurden, verliert den heraldischen Zierrat.
1933 Seit 1929 stellten die Nationalsozialisten vier von 20 Stadträten. Jetzt wurden aufgrund eines Gesetzes vom 7. April 1933 die Stadtratssitze der Parteien nach den Verhältniszahlen der Reichstagswahl vom März neu verteilt. Da sich die Freien Wähler nicht an der Reichstagswahl beteiligen, schieden deren Stadträte alle aus. Die Nationalsozialisten erhielten neun von 15 Stadträten. Im Juni wurden die zwei Sozialdemokraten wegen des reichsweiten Verbots ihrer Partei ausgeschlossen. Anfang August wurden die vier verbleibenden Stadträte der Bayerischen Volkspartei zum Verzicht gezwungen. Der damit rein nationalsozialistische Stadtrat "wählte" schließlich den örtlichen Parteiführer Volksschullehrer Hans Vogel "einstimmig" zum Bürgermeister.
1939 Beginn des 2. Weltkrieges. Die Hutproduktion wird bis 1945 lahm gelegt. Die Industrie muss sich auf kriegswichtige Produkte umstellen: Tropenhelme für die Rommel-Armee in Nordafrika, Schneeschuhe, Grasstrümpfe für Pferde, Schlauchboote usw.

Mit Kriegsbeginn werden zwei große Lazarette eingerichtet: Das Tuberkulose-Lazarett in der heutigen Kurklinik Ried und ein allgemeines Lazarett im Reichsbahn-Waisenhort. Gegen Kriegsende wurden auch die Volksschule und die Berufsschule (heutige Antonio-Huber-Schule) zu Lazaretten.

Lindenberg kommt ohne nennenswerte Sachschäden durch den Krieg. Der Blutzoll war jedoch hoch: 420 Gefallene und Vermisste bei einer Bevölkerung von 5400 bei Kriegsbeginn.
1945 Der Ort wird am 30. April von französischen Truppen besetzt. Die endgültigen Besatzungszonen werden im Juli zwischen den Alliierten festgelegt. Der Kreis Lindau wird der einzig französisch besetzte Teil Bayerns. Er wird wie die drei späteren Bundesländer der französischen Besatzungszone einem eigenen Militärgouverneur unterstellt. Diese Eigenständigkeit kommt auch Lindenberg zugute. Im Kreis Lindau gibt es wiederholt Sonderzuteilungen an Lebensmitteln. In Zusammenarbeit zwischen den deutschen und französischen Behörden wird erreicht, dass am Kriegsende kein Schuljahr verloren geht und dass 1947 zum ersten Mal das Abitur in Lindenberg abgelegt werden kann.
1946 Die Firma Mayser, Milz & Cie. errichtet in einer Betriebsstätte in Lindenberg mit ausgelagerten Maschinen eine Haarstumpenfertigung. Der Maschinenpark stammt aus Mayser's Hutfabrik, Ulm, die 1945 völlig ausgebombt worden war.
1948 Die Lindenberger Industrie kommt nach der Währungsreform am 20. Juni rasch voran, vor allem die Firma Kraft. Das Unternehmen profitiert mit seinem damaligen Hauptprodukt "Velveta" von der "Fresswelle". Der Stadt fließen beachtliche Gewerbesteuereinnahmen zu. Die Hutfabriken machen zunächst ebenfalls gute Geschäfte. Nach und nach kommt jedoch der Hut aus der Mode.

Die Glocken der Lindenberger Kirchen mussten während des Krieges abgeliefert werden. Lindenberg erhält bereits im November 1948 neue Glocken. Die sieben Glocken der Stadtpfarrkirche sind mit ihrem Gewicht von zusammen 17,9 Tonnen das größte Geläut des Bistums Augsburg und eines der größten in Deutschland.
1955 Die rechtliche Sonderstellung des "Bayerischen Kreises Lindau" als "Landkreisstaat" endet. Sie bestand seit Kriegsende aufgrund von Besatzungsrecht. Der Kreis ist nunmehr rechtlich wieder ein normales Teilgebiet Bayerns. Die bisherigen besonderen Rechtssetzungsbefugnisse, die der Kreispräsident hatte, erlöschen.
1956 Die Kraft-GmbH verlagert ihre Hauptverwaltung ins zentrale Frankfurt. Lindenberg bekommt seine Randlage zu spüren.
1959 Die Firma Liebherr baut in Lindenberg ein Werk für Flugzeugteile. Viele ehemalige Hutarbeiter finden Arbeit. Die Struktur der Lindenberger Industrie wird ausgefächert. Liebherr wird bald zum größten Arbeitgeber der Stadt.
1967 Innerhalb von nur 20 Jahren hat sich die Bevölkerung verdoppelt. Die Zunahme der Einwohner und der steigende Wohlstand führen zu einer starken Ausdehnung der Wohngebiete. Lindenberg ist kein Straßendorf mehr. Es wächst in die Breite. Die Hänge der Talmulde werden fast vollständig bebaut.
Die hutlose Mode macht der Industrie schwer zu schaffen. Wieder müssen alteingesessene Hutfirmen ihre Fabrikation einstellen. Die Hutindustrie verliert ihre vorrangige Stellung im Lindenberger Wirtschaftsleben.
1976 Das in der Stadtmitte gelegene Fabrikgebäude des ehemaligen Hutunternehmens Aurel Huber wird abgebrochen und durch einen Supermarkt ersetzt.
Das städtische Hutmuseum wird nach zweijähriger Vorarbeit in der ehemaligen Hutfabrik "Mercedes" eröffnet. Dies ist der dritte und schließlich erfolgreiche Versuch, die Geschichte einer Industrie aufzuzeigen, von deren Produktion die Lindenberger lange fast ausschließlich gelebt haben. Das Auf und Ab einer Industrie, deren Produkt dem Diktat der Mode unterworfen war, hat die Entwicklung der Stadt Lindenberg über drei Jahrhunderte beeinflusst und geprägt.
1993 Die noch verbliebene Eisenbahnstrecke Röthenbach-Lindenberg wird endgültig stillgelegt. Jetzt wird auch der Güterverkehr eingestellt. In den Folgejahren wird die Strecke zu einem Radweg umgebaut.
1997 Das Hutunternehmen Reich geht in Konkurs, es war früher das größte in Lindenberg. Damit hat Lindenberg mit Mayser nur noch eine Hutfabrik.
2003 Der Stadtrat beschließt den Alten Friedhof zum 31.12.2003 ganz zu schließen. Der Alte Friedhof soll in einen "Friedhofspark" umgestaltet werden. Etwa 100 noch bestehende Grabsteine werden in eine städtische Liste aufgenommen. Sie sollen im Kernbereich bei der Aureliuskirche zusammengezogen werden.
2008 Die Neugestaltung des Waldseebades ist abgeschlossen. Die neue Anlage verfügt über zwei Ruhezonen (Liegewiesen) und eine Aktivzone mit Beach-Volleyballplatz, Rasen-Spielfeld sowie Tischtennisplatten. Als Spielgeräte für Kinder aller Altersgruppen stehen Schaukeln, Klettergerüste und - als besondere Attraktion - ein Piratenschiff mit angrenzender Sandspielfläche zur Verfügung.
2010 Mayser stellt die Hutproduktion in Lindenberg ein, nur noch das Atelier und die Endkontrolle bleiben in Lindenberg. Die Firma konzentriert sich in Lindenberg auf ihre technologischen Schwerpunkte, nämlich Schaumstofftechnik, Verformungstechnik, Sicherheitstechnik.
Quellen:
Lindenberger Chronik, Günther Fichter
Ausgewählte Ereignisse in Lindenberg, 2009, Dr. Hermann Stoller
Aus vergangenen Tagen, Hans Stiefenhofer

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Letzte Änderung: 27.11.2015 / 08:52 Uhr
Ausgedruckt am 24.09.2017 / 14:03