Mädchen mit Lindenberger Florentiner von Maximilian Bentele, 1825-1893)Hutmuseum Lindenberg
Brennterwinkel 4
Informationen erhalten Sie bei der Tourist-Information (Tel. 08381/803-28)
Öffnungszeiten:
Mittwoch 15.00 - 17.30 Uhr
Sonntag 10.00 - 12.00 Uhr
(November - Januar geschlossen)
In der Sommersaison findet zu folgenden Terminen (immer mittwochs) um 14.00 Uhr eine Führung, teils mit Schaunähen statt. Diese Termine sind gefettet.
Juli: 03., 10., 17., 24., 31.
August: 07., 14., 21., 28.
September: 04.
Eintrittspreise:
Erwachsene 2,00 €
Kinder 1,00 €
(Stand 2012)
Gruppenführungen werden auf Anfrage von der Tourist Information arrangiert.
Wie Lindenberg zum Klein-Paris der Hutmode wurde
Das Lindenberger Hutmuseum gibt einen Einblick in die jahrhundertealte Huttradition der Stadt Lindenberg. Diese geht bis in das 16. Jahrhundert zurück. Damals lebte Lindenberg vom Pferdehandel mit Italien. Einer dieser Pferdehändler, so die Überlieferung, musste wegen Krankheit in Italien überwintern. Bei seinem unfreiwilligen Aufenthalt im Süden beobachtete er das Strohflechten und Hütemachen und brachte diese Kenntnis nach Lindenberg mit. Am Anfang wurden die Hüte nur für den eigenen Gebrauch hergestellt, doch ab 1755 begann man, den Vertrieb und die Produktion zu organisieren. Die ersten Hutfabriken wurden in der Biedermeierzeit um 1830 gegründet; bis 1890 gab es bereits 34 Strohhuthersteller. Sie stellten ca. 8 Millionen Strohhüte im Jahr her. Nicht verwunderlich also, dass Lindenberg Anfang des 20. Jahrhunderts als Zentrum der deutschen Herrenstrohhutindustrie galt und das „Klein-Paris“ der Hutmode genannt wurde. Zu dieser Zeit, im Jahr 1914, wurde der damalige Markt Lindenberg zur Stadt erhoben. In den 20er-Jahren aber erfährt die Strohhutindustrie eine Krise und die Betriebe versuchen in den nächsten Jahrzehnten, mit Filz, Leder, Dralon und Pelz gegenzusteuern, was auch gelingt. Dann aber kommt mit den 60er- und 70 er Jahren eine zunehmend hutlose Mode. Sie zwingt alteingesessene Firmen, ihre Fabrikation einzustellen. Die Hutindustrie verliert ihre vorrangige Stellung im Lindenberger Wirtschaftsleben. Heute gibt es nur mehr eine namhafte Hutfabrik am Ort: die Firma Mayser GmbH & Co.KG.
Das Hutmuseum erinnert an diese Zeit, in der die Ursprünge des heutigen Lindenbergs liegen. Darüber hinaus werden an originalen Arbeitsplätzen die Arbeitsschritte nachempfunden und die verschiedenen Modestile der vergangenen Jahrhunderte in unzähligen Hutmodellen sichtbar.
Ein Gang durchs Museum
Im Eingangsraum des Treppenhauses steht eine Haubenpresse für Holzfeuerung und eine Säulen-Dampfpresse. An den Wänden im Aufgang zum 2. Stock zeugen Bilddokumente von der Blütezeit der Strohhutherstellung.
Im ersten Zimmer des Museums erinnern Geschäftsdokumente in einer Vitrine an den Lindenberger Pferdehandel. Eine weitere Vitrine zeigt den Werdegang vom Weizenstroh zur Strohborte. Halmsortierer, Halmspalter, Geflechthaspel, Geflechtmangel und ein Drohdelstuhl sind Gerätschaften aus der Zeit handwerklicher Hutherstellung. Das Portrait "Mädchen mit Florentinerhut" des Lindenberger Malers Maximilian Bentele (1825 - 1893) mit der davor stehenden alten Oberstich-Hutnähmaschine soll auf die Zeit hinweisen, als der Lindenberger Florentiner dem italienischen Modehut Konkurrenz machte. Eine typische Heimarbeiterecke erinnert an die vielen tausend Frauen, die in emsiger Heimarbeit Hüte nähten und garnierten. Das Ölbild des Lindenberger Kunstmalers Paul Keck zeigt einen Huthausierer mit Kraxe. An einer Wand hängen die Bilder der Gründer der ersten Hutfabriken.
Modellschreiners, Gegenstände aus der Formengießerei, Gipsmodelle und Metallformen, Arbeitsgeräte des Fertigmachers von Stroh- und Filzhüten und Zieh- und Pressformen. An den Wänden hängen Bilder aus der Fabrikation. Ein gewichtiger und stabiler Musterkoffer stammt aus der Zeit, als der Hausierhandel mit Kraxen aufhörte und die Fabrikanten mit Hutmustern ihre Grossisten aufsuchte, um Aufträge hereinzuholen.
In Zimmer 3 sind Geflechte und Strohstumpen ausgestellt, die aus europäischen Ländern, aus Ostasien und Südamerika importiert und in Lindenberg verarbeitet worden sind. Ein Glasschrank zeigt
ländliche Strohhüte und Erzeugnisse der Hutindustrie während der beiden Weltkriege. Einen weiteren Arbeitsgang der Strohhutherstellung zeigt eine Leimerei zur Hutversteifung.
In Zimmer 4 stehen Nähmaschinen verschiedenster Art. Vitrinen zeigen Arbeitsgänge zur Herstellung von Haar- und Wollfilzstumpen und Fertigung eines synthetischen Sommerhutes aus Dralon. In Wandschränken sind zahlreiche Herren- und Damenhüte und Garniermaterial aus der Zeit von 1900 bis 1940 ausgestellt. Außerdem wird gezeigt, womit deutsche Olympiamannschaften behütet wurden.
Im Gang sind Damen- und Herrenstrohhüte von 1880 bis 1945 ausgestellt, und in einer Spezialvitrine sind 3 Strohzylinderhüte und eine Schute aus der Gründerzeit der Hutfabriken zu sehen. Besonders beachtenswert ist die Vitrine mit interessanten Matelots, dem Haupterzeugnis der Lindenberger Strohhutindustrie bis 1924. Auf einem Ortsbild von 1910 aus der Vogelperspektive sind die wichtigsten Stohhutfabrikationsbetriebe markiert. Das Bild des Pfarrers Johannes Josephus Wettach erinnert an seine berühmte Strafpredigt von der Lindenberger Kirchenkanzel über die verwerfliche Mode und Hoffart. Beachtung verdienen drei weitere Schauschränke im Vorraum und im Nebenzimmer, in denen unter anderem ein altes Strohbortenbuch, verschiedene Preismünzen aus Wettbewerben, ein Damenstrohhut aus feinstem Geflecht sowie Kopfbedeckungen, welche die Entwicklung vom Trachtenhut zum Modehut verdeutlichen, gezeigt werden. Zum Schluß sei auf die interessant gestalteten Zeittafeln hingewiesen. Mit einer Ausstellung neuester Damenhut-Kreationen und Spezialanfertigungen von Trachtenhüten verabschieden sich im Treppenhaus des 1. Stockes die Lindenberger Huterer vom Museumsbesucher.
Hans Stiefenhofer







